Acht Abiturienten äußern sich zur Schule und ihren weiteren Plänen:

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Rosa Dafonte

41 Jahre

Mein erstes Zeugnis war ein Highlight: „Wow, so viele Einsen!“, dachte ich. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, denn mein Mann hat immer gesagt „Was kannst du schon Großartiges. Du hast ja noch nicht einmal eine Berufsausbildung gemacht“. Dabei habe ich seinetwegen vor Jahren das Abendgymnasium abgebrochen. Mein Mann steckte da mitten in seinem ersten juristischen Staatsexamen und bat mich, meine Schulpläne zu verschieben, damit ich mich hauptsächlich um unseren Sohn kümmern konnte, der noch ein Baby war.

Dann folgte die Referendarzeit, unsere Tochter wurde geboren und wieder habe ich meinen Plan, das Abitur nachzuholen, für seine Karriere zurückgestellt. So ging es weiter. Während er beruflich immer erfolgreicher wurde und wir wegen seiner Karriere teilweise eine Wochenendehe führten, kümmerte ich mich um die Kinder. Irgendwie liefen unsere Leben immer weiter auseinander. Getrennt hat er sich von mir mit den Worten, es könne doch nicht der einzige Sinn im Leben sein, eine Familie zu haben. Mein erster Schultag am Abendgymnasium begann an einem absoluten Tiefpunkt. Es war mein Geburtstag und gleichzeitig lagen die Scheidungspapiere im Briefkasten. Das alles liegt jetzt 3 ½ Jahre zurück und ich bin froh, dass ich diese Krise überwunden und ein tolles Abitur gemacht habe. Jetzt wartet die nächste Herausforderung auf mich: wenn alles klappt, ziehen meine Kinder und ich im Sommer nach Freiburg, wo ich im Herbst mit dem Psychologiestudium beginnen will. Mein Sohn ist inzwischen 15, meine Tochter 10 Jahre alt.

Den zukünftigen Absolventen des Abendgymnasiums möchte ich sagen: besucht regelmäßig den Unterricht, macht immer die Hausaufgaben. Wer kontinuierlich lernt, schafft ein gutes Abitur.

 

Beata_Furgol_kleinBeata Furgol

27 Jahre

Ursprünglich wollte ich nur das Fachabitur machen, weil ich dachte, das Abitur ist viel zu schwer für mich wegen der Sprache. Ich bin ja erst vor 9 Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen und habe Deutsch nur über die Volkshochschule gelernt. Doch jetzt bin ich stolz auf mein Abitur und möchte eine Ausbildung als Bibliothekarin oder Mediengestalterin machen. Die Schule hat mir gut getan, der regelmäßige Unterricht, der tolle Zusammenhalt in der Klasse, das wird mir fehlen. Ich bin in Gliwice (Gleiwitz) aufgewachsen, aus derselben Stadt kommt auch der Fußballer Lukas Podolski. Als ich erst ein Jahr in Deutschland war, hatte ich so starkes Heimweh nach Polen, dass ich wieder zurückgefahren bin. In Gleiwitz habe ich mich in meinen späteren Mann verliebt und wir sind zusammen wieder nach Deutschland gegangen. Inzwischen habe ich auch einen 7-jährigen Sohn.

 

Daniel-Antonio_und_Uljanaklein

Daniel-Antonio Linnemeyer

25 Jahre, Maurer und Stahlbetonbauer

Nach der Fachoberschulreife habe ich eine Ausbildung als Maurer gemacht und bis auf das letzte halbe Jahr vor dem Abitur die ganze Zeit Vollzeit gearbeitet. Das heißt, um 7 Uhr bin ich arbeiten gegangen, teilweise 40 bis 50 Kilometer zu den Baustellen gefahren, nach einem 8-Stunden-Tag ging es zurück nach Hause und dann gleich weiter zur Schule. Meinem Arbeitgeber habe ich zuerst nichts davon erzählt, dass ich das Abitur mache, weil ich Angst hatte, dass er dafür kein Verständnis hat. Als das dann zufällig herauskam, bin ich zu ihm gegangen und habe um eine Reduzierung der Arbeitszeit gebeten. Dafür hatte er Verständnis. Meine Sorge war also unbegründet. Die tolle Klassengemeinschaft hat mir geholfen, die Schule neben der Arbeit durchzustehen. Ich konnte mir nicht vorstellen, bis zur Rente als Maurer zu arbeiten. Im Herbst will ich an der Fachhochschule Köln-Deutz Bauingenieurswesen studieren.

 

Uljana Fast

25 Jahre, zahnmedizinische Fachangestellte

Ich bin in Kasachstan geboren. Im Alter von 8 Jahren sind wir nach Bergheim gekommen. Als ich 18 war, wollte ich unbedingt Geld verdienen. So habe ich nach der 10. Klasse die Ausbildung als Arzthelferin begonnen. Doch schon im dritten Lehrjahr wusste ich: das ist nicht mein Traumberuf. Ich will mich weiterentwickeln. So habe ich mich am Abendgymnasium in der Außenstelle Bergheim angemeldet. Die Schule war nicht immer leicht. Ich habe bis 17 Uhr gearbeitet, um 17.30 fing schon der Unterricht an. Manchmal kamen mir schon Zweifel, ob ich das durchhalten kann. Richtig extrem war es die letzten Monate vor dem Abitur. Nun bin ich froh, dass ich nicht aufgegeben habe.  Ich möchte jetzt Englisch, Französisch und Russisch studieren. Sprachen liegen mir.

Allen, die sich überlegen, das Abitur zu machen, möchte ich sagen: Leute, macht das unbedingt. Es ist nie zu spät. Es lohnt sich.

 

Lilli_Fessehaie_kleinMerhawit Lilli Fessehaie

26 Jahre, medizinische Fachangestellte

Meine Eltern kommen aus Eritrea, aus der Hauptstadt Asmara. Sieben Jahre waren sie auf der Flucht vor dem Krieg, bevor sie Deutschland erreichten. Ich bin hier in Köln in den Kindergarten gegangen und war später auf dem Gymnasium. Die Schule habe ich aufgrund eines familiären Schicksals abgebrochen. Dann hab ich meinen Sohn bekommen. So habe ich meine Schulpläne erst einmal verschoben und eine Ausbildung begonnen. Als der Kleine 2 Jahre alt war, habe ich mich für den Abitur-online-Lehrgang angemeldet und bin von da an zwei Mal pro Woche von Bonn nach Köln zur Schule gefahren, habe den Kleinen bei meinen Eltern abgegeben und bin zum Unterricht gegangen. Das war sehr stressig, vor allem, wenn Klausuren anstanden und weil die Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten parallel lief. Jetzt freue ich mich auf die kleinen banalen Dinge, für die ich in den letzten drei Jahren kaum Zeit hatte: mit meinem Sohn die freie Zeit genießen oder einfach „nur“ arbeiten. Ich möchte Medizin studieren, muss aber noch ein paar Jahre warten, bis ich einen Studienplatz bekomme.

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Lamine Sadio

29 Jahre

Mein Name kommt aus dem Arabischen. Mein Vater ist Senegalese, meine Mutter Ungarin, aber ich bin in Düsseldorf geboren. Nach der Fachoberschulreife habe ich herumgejobbt, oft in Restaurants, auch als Pizzafahrer und zuletzt als Fahrer von Auto-Ersatzteilen. In den letzten zwei  Jahren war das Geldverdienen neben der Schule echt hart. Ich habe ja fulltime gejobbt und hatte abends meistens kaum eine Stunde Zeit, um mich umzuziehen und zur Schule zu fahren. Lernen konnte ich nur am Wochenende. Doch es hat sich gelohnt. Die Schule war gar nicht so schwer, wie ich dachte, und ich hab auch viele nette Leute dort kennen gelernt. Jetzt möchte ich Sport studieren.

 

Tina-Michiko Klemm

25 Jahre, Hotelfachfrau

Ich bin in Tokio aufgewachsen und im Alter von 13 Jahren nach Köln gekommen. Meine Mutter ist Japanerin, mein Vater Deutscher. Die Schule war ein tolles Erlebnis für mich. Ich bin so gerne hierher gekommen, hatte tolle Lehrer, die auf einen eingegangen sind. Dadurch habe ich viel Selbstbewusstsein bekommen. Zuerst habe ich noch Vollzeit gearbeitet, aber ein Jahr vor dem Abitur habe ich nur noch Jobs auf 400-Euro-Basis gemacht. Auf das Abendgymnasium hat mich mein Freund gebracht. Zu Beginn habe ich noch an mir gezweifelt, ob ich das schaffe, doch im Laufe der Zeit habe ich einen solchen Ehrgeiz entwickelt, dass ich letztendlich einen tollen Abiturschnitt erreicht habe. Im Herbst will ich in Heidelberg Ostasienwissenschaften studieren. Da ich Japanisch schon kann, habe ich eine Sprachprüfung abgelegt und darf gleich ins vierte Semester einsteigen. Ich möchte Konferenzdolmetscherin werden und würde später gerne für die Nato oder die Vereinten Nationen arbeiten.

 

Oliver_Berghoff_kleinOliver Berghoff

38 Jahre, IT-Systemadministrator

Als ich mich zum Abitur-online-Lehrgang anmeldete, hatte ich schon das Fachabitur. Doch ich wollte Physik studieren und war mir nicht sicher, ob ich die Zulassungsprüfung dafür bestehen würde.  Mit dem Vollabitur kann ich nun ohne Zulassungsprüfung meinen Traum erfüllen und Astrophysik studieren. Der Arbeitsaufwand in den letzten zwei Jahren war immens, ich hatte locker eine 70-Stunden-Woche. Doch ich konnte das durchhalten, weil ich genügend motiviert war und meine Frau meine Entscheidung mitgetragen hat. Ganz nebenbei habe ich meine Allgemeinbildung erweitert, Sprachen und das Fach Geschichte für mich entdeckt und dadurch viel an Selbstbewusstsein gewonnen. Das einzige, was mich wurmt: dass ich erst mit 38 das Abitur gemacht habe, aber lieber spät als nie.