Wir freuen uns, in diesem Durchgang auch wieder Erfolgsgeschichten der FHR-Abgänger im Teilsystem JVA präsentieren zu dürfen:


Nach mehrmaligen Haftzeiten hatte ich diesmal überlegt, in der Haft Schule zu machen, doch lag die Schulzeit bereits mehrere Jahre zurück, ich hatte bloß einen Hauptschulabschluss Klasse 10 und ich hatte deshalb Bedenken, ob ich das schaffen würde.

Um wieder in den Schulalltag einzusteigen, machte ich den Beruflichen Grundkurs, welcher mir zeigte, dass ich meinen Realschulabschluss machen könnte. Nun machte ich das 1. und 2. Semester und im Anschluss dazu das 3. und 4. Semester (Fachabitur) und habe es tatsächlich geschafft.

Ich bin stolz darauf, dass ich diesmal etwas durchgezogen habe, das auch noch im Knast. Besser hätte ich die Zeit nicht nutzen können.

Denn nun weiß ich, dass mir alle Türen offen stehen, wenn ich rauskomme.


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Meine Geschichte (bis) zum Fachabi

Endlich habe ich mein Fachabi. Dies war auch ein langer und steiniger Weg:
Mit 17 Jahren ging ich nach der Realschule an ein Weiterbildungskolleg, um mein Fachabi zu machen. Mein Ziel war damals, Architektur zu studieren. Nebenbei fing ich an zu jobben.
Schnell bekam ich eine super Ausbildung mit Aussicht auf eine Führungsposition angeboten.
Meine Mama riet mir, die Ausbildung anzunehmen, denn es sei der sichere Weg.
Da meine Mama alleinerziehend war, wollte ich ihr stets zeigen, dass ich trotz allem eine gute Erziehung genossen habe und sie stolz auf mich und sich sein kann.
In der Mitte meiner Ausbildung, die wirklich sehr gut verlief und mir unheimlich Spaß machte, erkrankte meine Mama an Lungenkrebs, Endstadium, sie hatte nur noch ein paar Monate.
Ich beschloss, meine Ausbildung au Eis zu legen, um mich die letzten Monate um meine kranke Mama zu kümmern und bei ihr zu sein.
Nach ihrem Tod ging bei mir alles sehr schnell bergab. Ich fing an zu trinken und verbrachte meine Zeit mit „Freunden“, die in ihrer Freizeit gerne kriminelle Sachen machten.
Ich verlor mein Selbstvertrauen, meine Lebenslust und vor allem meinen Lebenssinn.
Als man mich nach meinem Selbstmordversuch zurück holte, schien es mir, als ob man mir ein neues Leben geschenkt hatte. Meine Mama wollte mich wohl da oben noch nicht!
Ich machte eine Therapie und stand für meine Straftat gerade.
Diese Zeit im Gefängnis nutzte ich, um das zu Ende zu bringen, was ich begonnen hatte… mein Fachabi, hier am Abendgymnasium Köln.
Es war vielleicht das Beste, was mir passieren konnte, denn hier hatte ich Zeit und Ruhe, um meinen Abschluss endlich zu beenden.
Manchmal frage ich mich „was wäre wenn…?“
… wenn meine Mama nicht erkrankt wäre?
oder
… wenn ich meine Ausbildung bzw. mein Fachabi nicht abgebrochen hätte?
Dann wäre ich vielleicht damals schon da, wo ich heute bin, aber ohne die Erfahrung, die ich sammeln konnte, um im Geiste zu wachsen.
Früher oder später kommt eh alles so, wie es kommen sollte.

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Meine „Lebensweg“ in ein neues Leben!

Ich möchte mich auf diesem Weg anderen Interessierten eine kurze Geschichte in Bezug auf „Schule im Knast“ erzählen.
Ich bin das typische Individuum, welches der Staat als kriminell für die Ewigkeit aufgeben mochte. Ich bin bis zur 7. Klasse in der Schule gewesen und habe diese mit 170 Fehlstunden und nur 6er Noten beendet. Dann kamen fast 15 Jahre Knast und 20 Jahre Drogensucht hinzu. Also => alles verloren, alles vergeigt.
Nur die Lust am Leben habe ich mir erhalten die „gute Erziehung“ im Elternhaus.
Dann kam der Tag-X. Ich war gerade in der JVA und wusste, ich werde bei der nächsten Verhandlung mind. 5 Jahre bekommen. Da habe ich den Zettel gelesen: „Interessierte für Schule bitte Antrag schreiben.“
Und den habe ich geschrieben. 20 Sekunden, die mein Leben verändert haben. Ich rate jedem: macht den „SCHRITT“.
Ich habe zuerst den 6-monatigen Vorkurs besucht, dann 6 Monate 1. und 2. Semester und jetzt nach weiteren 6 Monatn das Fachabi mit sehr gut bestanden [Anm. d. Schule: durch 5*8-Stunden-Unterrichtstage wird das System in der JVA doppelt so schnell durchlaufen wie in den anderne Systemen des Abendgymnasiums].
Ja, das kann jeder schaffen. Der Weg ist das Ziel. Den Arsch hochkriegen. Nicht zu kapitulieren, zu wissen, man ist es wert, wieder ein Teil der Gesellschaft zu werden. Wer sich aufgibt, hat schon verloren.
Ich habe so eine geile Zeit gehabt, die natürlich auch anstrengend war und ist. Aber man erhält so viel Unterstützung durch die Lehrer, die sich wirklich aufgeopfert haben, um mir und meinen Klassenkollegen den Weg in ein neues Leben zu ebnen. Das soll jetzt keine „Lobeshymne“ werden. Aber doch: DANKE!
Jeder Schüler wird merken, dass es dumm ist, nur auf der Zelle abzuhängen. Mir hat die Schule so viel gebracht. Ich habe Durchhaltevermögen erlangt, Kampfgeist entdeckt und koordinierte Zusammenarbeit mit meinem Klassenkameraden kennen gelernt. Ich bin durch die Lehrer von Anfang an als Mensch mit 100% Respekt behandelt worden. Hier in der Schule zählt der Mensch und nicht wie im Knast die Buchnummer. Bitte nutzt diese Chance. Sie ist es wert.

Vielen Dank an alle, die daran beteiligt waren und noch sein werden.
Ein Schüler, der durch Wissen & Lehre resozialisiert ist.

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Hier folgen nun die Erfolgsgeschichten unserer Abiturienten des Sommers 2016:
 

Nicole Henßler


Auf das Abendgymnasium zu gehen war definitiv eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich finde, der zweite Bildungsweg ist eine tolle Lösung für „Unentschlossene“. Für mich war die erste Schullaufbahn damals ein lästiges Muss. Ich war orientierungslos. Nach einigen Jahren in meinem Beruf habe ich meine Stärken und Interessen identifiziert. Weiterbildungen haben mich nicht dahin gebracht, wo ich mich gern sehen würde. Das Abitur gibt mir die Chance jetzt einen Studiengang zu wählen, der mich meine Pläne verwirklichen lässt. Jedem muss klar sein, worauf man sich einlässt. Das Abitur wird niemandem geschenkt. Vor allem im Abi Online-System braucht man ein gutes Selbstmanagement und genügend Biss. Dann stehen einem aber alle Wege offen.
 

 


 Emine Degiz

Mit 16 entschloss ich mich, trotz der Chance aufs Abitur, dazu eine Ausbildung zu machen. Nach dem bereits erwähnten "lästigen Muss", der Lernerei, wollte ich lieber arbeiten und Geld verdienen. Doch Jahre später kam ich auf die Idee es doch zu wagen. Diesmal freiwillig. Das Abendgymnasium, mit seinem Online-System, bot mir dazu die perfekte Möglichkeit. Auch wenn die letzten drei Jahre wirklich hart waren, möchte ich diese Zeit nicht missen.
Ich bin nun 26 Jahre alt und habe endlich mein Abitur. Doch außerdem habe ich neue Freunde gefunden. Freunde, die all die harte Arbeit, den Stress, aber auch die Freude über jede gute Note mit mir geteilt haben. Drei Jahre, die uns zusammengeschweißt haben und vor allem aber: 3 Jahre, die wir nie vergessen werden!
 


Insa Everding


Meinen ersten Versuch startete ich mit 18 oder 19 mit dem Ziel, das Fachabitur zu erreichen. Na ja, klappte nicht so ganz.
Ein Jahrzehnt später der neue Versuch und es hat funktioniert. Egal wie alt - ich habe mein Abitur.
Ich bin wohl die von uns, die am längsten an der Schule ist. 4 Jahre sind es nun.
Erst im Normalsystem, dann kam der Wechsel zum Abitur Online.
Das Abendgymnasium und vor allem unser Kurs, der Lehrgang Abitur Online ist eine super Alternative für Arbeitende, Eltern und auch für die, die schon einmal das Selbstlernen für das Studium erlernen möchten.
Ich habe hier viel Spaß gehabt, super Lehrer kennengelernt und Freunde gefunden.
Wir haben es geschafft!

 

 

Marc Rauche, 28

Aufgewachsen als ein Kind der Mittelschicht im Thüringer Wald, habe ich mit Anfang 18 den Entschluss gefasst, mein Heimatdorf zu verlassen und nach Köln zu meiner Schwester zu ziehen. Ich bin gelernte Fachkraft für Lebensmitteltechnik, jedoch habe ich schnell eine Abneigung gegen diesen Beruf empfunden und wollte mich in Köln, auch aufgrund neuer Eindrücke einer Großstadt, beruflich umorientieren sowie mich weiterentwickeln und aufstellen.

Doch aller Anfang war schwer für mich, da ich auf mich allein gestellt und auf Geld angewiesen war. So war mein erster Schritt, mich neben meiner Teilzeitarbeit als Quereinsteiger im Einzelhandel im Schichtdienst mittels Fernabi weiterzubilden. Leider habe ich die Prüfungen nicht bestanden. Am Boden zerstört aber ehrgeiziger denn je fasste ich kurz nach Bekanntgabe der Ergebnisse ein zweites Mal den Entschluss, mein Abitur auf dem Abendgymnasium nachzuholen. Mein Arbeitgeber hat meine Kenntnisse und meinen Fleiß zu schätzen gelernt und mich auf dem Weg zum Abitur optimal unterstützt und so war mein Gang zum Abendgymnasium besiegelt.

Mein Wunsch ist jetzt nun Medizin zu studieren, auch wenn ich infolge des hohen Numerus Clausus bereit sein muss, mich deutschlandweit zu bewerben bzw. im Ausland. Meine erste Anlaufstelle wird zuerst die Uni Berlin oder Hamburg sein, da dort die Zulassungskriterien für mich sprechen. Alternativ werde ich mich auch für Biochemie, Biophysik oder Molecular Life Sciences bewerben, aber mich weiter für Medizin bewerben, wenn es nicht auf Anhieb klappt.

Mein Tipp für alle: Wer will, der kann!

 

Alexandra Nett

Meine Schullaufbahn konnte man mit einem Wort beschreiben:  gescheitert. Die Schulzeit damals war geprägt von  Versagen, Enttäuschung und Angst.
Aber dies war vor dem Abendgymnasium. Ich sagte mir, es steckt mehr in dir. Meine Freundin machte mir Mut und ich entdeckte ich den Abitur-online Lehrgang am Abendgymnasium Köln. Ich entschloss mich dann -  zunächst noch zögerlich und mit schlechten Erinnerungen -  das Projekt Abitur in Angriff zu nehmen. Im Lauf der Zeit zeigte sich, dass Schule und harte Arbeit sich doch auszahlen. Mein Ziel fest vor Augen, mit viel Selbstdisziplin und Ehrgeiz habe ich nun mein Abitur in der Tasche.
Es war eine harte Zeit, da viel Energie und Zeit in die Distanzphasen gesteckt werden mussten, aber es hat sich mehr als gelohnt. Ich habe viele positive Erfahrungen gemacht, habe tolle Menschen kennengelernt, vor allem unsere Lehrer, und richtige Freunde gefunden. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, neben dem Vollzeitjob, etwas erreicht zu haben und die Dämonen der Vergangenheit besiegt zu haben. Ich kann nur sagen, wer es nicht versucht, der hat schon verloren und es lohnt sich immer zu kämpfen, wenn einem etwas was einem am Herzen liegt.

 

Agnieszka Cierlica
28 Jahre
Mutter eines Sohnes, 8 Jahre alt

Vor fünf Jahren bin ich per Zufall hier in Köln gelandet – ohne Familie, ohne jegliche Deutschkenntnisse, nur mit meinem kleinen Sohn. Und nun habe ich das Abitur in der Tasche. Manchmal kann ich es immer noch nicht glauben. Gefühlt habe ich ein Einserabitur gemacht, auch wenn viele Dreien auf dem Zeugnis stehen. Aber für mich ist es der allerbeste Abschluss, den ich je gemacht habe, dafür habe ich wirklich alles gegeben.
Als ich mich zum Abiturlehrgang anmeldete, waren meine Deutschkenntnisse noch so gering, dass ich mich im Unterricht kaum getraut habe, etwas zu sagen. Immer hatte ich Angst, Blödsinn zu erzählen. Das hat sich aber schnell gelegt und ich habe mich rege am Unterricht beteiligt. Schließlich war ich hochmotiviert, wollte unbedingt das Abitur machen, um Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften zu studieren. In meiner alten Heimat, in Chorzow in Polen, war ich früher auf einem beruflichen Gymnasium, wo man ein berufsbezogenes Abitur in Gastronomie-Management machen konnte. Das habe ich leider ein Jahr vor dem Abschluss abgebrochen.
Ob die Schule mich verändert hat? Sehr. Ich bin jetzt selbstbewusster, traue mich, meine Meinung zu sagen, vor allem habe ich keine Angst mehr, grammatisch Falsches zu sagen.
Nun freue ich mich auf das Studium in Bonn.
Wenn man will, schafft man alles, sogar mit geringen Deutschkenntnissen am Anfang. Ich bin das beste Beispiel dafür.

 

Jaqueline Balìca
39 Jahre
Mutter einer 9jährigen Tochter


und eines 15jährigen SohnesIch stamme aus einer Familie von Aramäern und bin in Ahlen in Westfalen aufgewachsen. Die Aramäer leben im Grenzgebiet zwischen Syrien, Türkei und Irak. Sie gehören der syrisch-orthodoxen Kirche an. Von dort sind meine Eltern 1975 nach Deutschland geflüchtet.
Mir war es in Ahlen, wo viele Aramäer leben, irgendwann zu eng und so bin ich mit 18 mit einer Tante nach Köln gezogen.
Nach vielen Jahren der Kindererziehung und Arbeit in einem Fitnessstudio stand ich plötzlich vor der Entscheidung, mich umorientieren zu müssen. Das Fitnessstudio meldete Konkurs an und ich stand beruflich auf der Straße. Meine jüngere Schwester, die gerade dabei war, das Abitur nachzuholen, meinte: „Jacky, wär das nicht auch etwas für Dich?“ Und so kam der Stein ins Rollen und ich landete im Abiturlehrgang AbiVor.
Die Schule hat einerseits mein Selbstwertgefühl enorm gesteigert, ich war hungrig nach Wissen und Bildung, andererseits war sie auch sehr stressig: ich habe gelernt, nebenbei gejobbt, meine Kinder versorgt und manchmal gab es Momente, da habe ich mich gefragt „Wofür machst Du das eigentlich?“ Doch ich hatte längst begriffen, dass das Abitur meine einzige Chance ist, mein Leben zu verändern, meine berufliche Zukunft selbst zu gestalten. Ursprünglich wollte ich nur das Fachabitur machen. Doch die Klasse hat mich immer wieder motiviert, bis zum Ende durchzuhalten, was ich nicht bereue. Mein Notendurchschnitt liegt im sehr guten Zweierbereich. Nun möchte ich soziale Arbeit studieren.
Mein Tipp für die Neuen: immer da sein, ist die halbe Miete! Regelmäßig Hausaufgaben machen und sein Ziel nicht aus den Augen verlieren.

 

Filiz Khan
29 Jahre
Mutter eines 9jährigen Sohnes

Als ich mit dem Abiturlehrgang anfing, war mein Sohn noch im Kindergarten. Eigentlich war er der Grund, warum ich das Abitur nachholen wollte. Ich wollte ein Vorbild für ihn sein, denn außer einem Realschulabschluss und einer abgebrochenen Ausbildung als Groß- und Einzelhandelskauffrau hatte ich nichts vorzuweisen.
Die Schule war alles in allem leicht für mich. Es wurde nur etwas stressig, als mein Sohn eingeschult wurde und keinen Ganztagsplatz bekam. Ich bin alleinerziehend und hatte niemanden, der auf ihn aufpasst.
Doch mit der Zeit hat sich das eingespielt. Als der Stoff in der Schule umfangreicher und interessanter wurde, war mein Ehrgeiz geweckt. Nun habe ich ein Abitur mit einer Eins vor dem Komma gemacht, das ist mehr als ich erwartet hatte.
Das Lernen unter Erwachsenen war ein großer Ansporn für mich. Wir hatten alle viel Verständnis füreinander und der Zusammenhalt wurde von Semester zu Semester größer. Jetzt fühle ich mich reif fürs Leben, bin ruhiger geworden und sehe gespannt der nächsten Phase meines Lebens entgegen. Was ich studieren will, weiß ich noch nicht, irgendetwas mit internationalen Kulturwissenschaften. Ich spreche Pakistanisch, Türkisch und Englisch wegen meiner Eltern. Mein Vater ist Pakistaner, meine Mutter Türkin. Und Französisch habe ich in der Schule gelernt.