"Erfolgsgeschichten" nennen wir die Rubrik der Homepage, auf der jedes Jahr einige Absolventen eines Abschlussjahrgangs Ihre persönliche Schul-Geschichte aufschreiben.

Die Geschichten sollen Mut machen und dokumentieren, wie unterschiedlich die Wege auf unsere Schule sind. Vorher - aber auch währenddessen und danach.

Wir gratulieren zum bestandenen Abschluss!

Alle Erfolgsgeschichten

 

 Erfolgsgeschichten Sommer 2017

 

Jeder Abschluss an der Schule ist ein Erfolg! Hier sammeln wir aus dem Sommersemester 2017 Geschichten dieser Erfolge.


Joachim Aubel  
Zwei Abendgymnasien: Köln und Kassel

Mein Weg zum Abitur führte über zwei Abendgymnasien, wobei die beiden Abschnitte mehr als 25 Jahre auseinander liegen:

Als ich 25 Jahre alt war, absolvierte ich 1988 in einer damals neu gegründeten Außenstellen des Abendgymnasiums Kassel den Vorkurs und die E1, aus beruflichen  Gründen verließ ich dann jedoch die Schule wieder.

Mehr als zwei Dekaden später, im Dezember 2014, stieß ich im Internet auf das Abitur-Online-Angebot des Abendgymnasiums Köln. In Abitur-Online sah ich sehr  gute Chancen, das Abitur nachholen und  gleichzeitig auch weiterhin eventuell notwendige Dienstreisen wahrnehmen zu können.


Noch vor Weihnachten meldete ich mich daher zu einem Aufnahmegespräch an, das im Januar 2015 einen Tag nach meinem 52. Geburtstag stattfand. Zunächst wurde angedacht, mich zum Sommer 2015 in die E1 aufzunehmen, da ja mein letzter Schulbesuch ja bereits viele Jahre zurück gelegen hatte. Doch auf meine Bemerkung, ich könne auch schon sofort anfangen, bekam ich die Antwort, wir könnten es ja einmal mit der E2 probieren. Ich war begeistert!

Anfang Februar 2015 war es dann endlich soweit: Ich machte mich aus dem Bergischen Land auf den Weg, erstmals am Unterricht der E2 teilzunehmen. Auf der Fahrt zur Schule dachte ich erneut daran, dass ich ja wahrscheinlich der Älteste in der Klasse und sogar älter als die meisten Lehrer(innen) sein würde. Wohl hatte ich etwas Lampenfieber, aber ich war auch sehr gespannt auf die Schule – und auf mich. In meiner Ausbildungssparkasse war ich einmal mit 16 Jahren der jüngste Auszubildende gewesen und nun, 36 Jahre später, war ich wohl der älteste Studierende in der Klasse.

Den Wiedereinstieg schaffte ich grundsätzlich leicht, als Abiturprüfungsfächer wählte ich schließlich meine Lieblingsfächer aus der Realschulzeit: Englisch, Geschichte, Mathematik und Französisch.

Rückblickend auf die vergangenen fast zweiundeinhalb Jahre am Abendgymnasium Köln kann ich sagen: Es war eine wunderbare, manchmal anstrengende aber auch  sehr interessante Zeit! Vielen Dank an meine Lehrer(innen) und Mitstudierenden, sowohl im „Abi-Online-“ als auch im „Fünfabende-“ System - denn der  Grundkurs Französisch fand „systemübergreifend“ statt: Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, und ich habe sehr viele nette Menschen kennengelernt, und: ich werde das Abendgymnasium Köln sehr vermissen.

Ich danke rechtherzlich Frau Kempf-Allié und Herrn Strotmann für den nahtlosen Übergang von der E1 zur E2 nach mehr als einem Vierteljahrhundert!

Und “Last but not least“: Ich habe durch das Abendgymnasium Köln neue Freunde gefunden – generationsübergreifend:  Anita, Sven, Joline und ich flogen zudem Ende März/Anfang April 2017 für einen Kurzurlaub nach Barcelona, eine kleine „Mathe-Englisch-LK“-Reise - eine großartige Idee!
Das Abendgymnasium Köln zu besuchen - eine der besten Entscheidungen meines Lebens! Was 1988 mit dem Abendgymnasium Kassel begann, hat nun in 2017 am Abendgymnasium Köln seinen erfolgreichen Abschluss gefunden. Mit dem Abitur 2017 habe ich mir einen sehr langen Traum erfüllt.
Und vielleicht erfüllt sich ja irgendwann einmal noch ein weiterer Traum: Ein Semester in England und ein Semester in Frankreich studieren. Nun aber sage ich erst einmal: “Auf Wiedersehen, it was a wonderful time, merci beaucoup!” smile

 


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Katja Kurze
"Besser spät als nie"


Mit 17 schrieb ich in der elften Klasse eine schlechte Note nach der anderen, in Mathe stand ich glatt sechs. Mir war alles Andere wichtiger als lernen und so schmiss ich die Schule hin und begann zu arbeiten.
Nach insgesamt sieben Jahren Gastronomie und vier Jahren Selbstständigkeit im Einzelhandel war mein Rücken mehr als angeschlagen und ich sehr unzufrieden mit meinem Leben, hatte ich mir doch immer etwas ganz anderes für mich vorgestellt, als bis zum Rentenalter Getränke zu schleppen.

Das Abitur zu machen traute ich mir nicht wirklich zu, aber als mir ein Bekannter, der alles andere als fleißig war, erzählte, er habe sein Fachabitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht, dachte ich mir, dies müsse für mich doch auch irgendwie möglich sein.

So beschloss ich, es mit 28 Jahren nochmals zu versuchen und bewarb mich am Abendgymnasium Köln. Bereits am nächsten Tag konnte ich mit dem Vorkurs Französisch starten.
Waren meine Ziele anfangs noch sehr niedrig gesteckt, entwickelte ich bereits im ersten Jahr einen mir zuvor unbekannten Ehrgeiz.
Das Abendgymnasium Köln mit seinem Abitur-Online-System war genau das passende Angebot für mich, da ich so nebenbei arbeiten gehen konnte.


Für diese Art des Lernens braucht man viel Selbstdisziplin und ein gutes Zeitmanagment, unsere Lehrer und die Schulleitung haben allerdings immer viel Verständnis für die schwierigen Situationen gezeigt, in denen wir uns öfter mal befanden und haben uns nach Kräften unterstützt. Auch die drei Jahre SV-Arbeit haben mir immer viel Spaß bereitet.


Nun habe ich mit 32 Jahren mein Abitur mit einem Durchschnitt von 1,0  geschafft und dazu noch echte Freunde gefunden. Die Zeit am Abendgymnasium war für mich eine Art Selbsttherapie und hat mein Selbstbewusstsein enorm gestärkt. Nun werde ich meinen Traum verwirklichen und Lehramt an der Uni Köln studieren und hoffe, dass mich mein Weg zurück in den zweiten Bildungsweg führt, dann aber als Lehrerin.  
 

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Anja Antonczyk

"Traut Euch!"

Nun habe ich endlich mein Abi! Unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich erinnere mich noch genau an den Abend, an dem ich durch die Homepage des Abendgymnasiums stöberte und die Erfolgsgeschichten durchlas. Und nun schreibe ich meine eigene! Wie cool ist das denn!

Damals war ich voller Zweifel und Ängste. Packe ich es diesmal? Bin ich zu alt? Werde ich mich völlig blamieren? Aber wie sollte ich diese Fragen jemals beantworten ohne es einfach auszuprobieren?

Die ersten Semester waren auch wirklich intensiv für mich. Aber nur, weil ich sehr hohe Ansprüche an mich selbst stellte. Ich wollte Bestnoten erreichen. Und ein Vollzeitjob, der nebenbei auch noch bewältigt werden wollte, machte es nicht gerade leichter. Dennoch erreichte ich meine kleinen Ziele besonders zu Anfang richtig gut. Es ist wichtig, nicht immer den kompletten Weg vor Augen zu haben, sondern sich an den kleinen Erfolgen zu orientieren, die zum Ziel hin führen.

Mit der Zeit wuchsen dann mein Selbstvertrauen und mein Selbstwertgefühl stetig. Ich erfuhr Anerkennung und Selbstbestätigung. Die Lehrer waren toll und das Lernen machte mir richtig Spaß. Ich merkte, wo meine Stärken und Schwächen lagen und ich hätte nie gedacht, dass dies solche Auswirkungen auf mein Leben haben würde.

Es gelang mir endlich, mich aus meiner seit zehn Jahren andauernden und unglücklichen Beziehung zu lösen. Ich merkte plötzlich, dass ich mehr wert bin als ich dachte. Die Trennung samt Umzug fand dann auch ausgerechnet im letzten Schuljahr statt. Kurz vor dem Ziel durchlebte ich eine persönliche Krise, in welcher ich mich von vielen Altlasten löste.

Ich muss zugeben, dass mir die Schule in dieser Zeit eine regelrechte Hilfe war, denn dort wurde ich abgelenkt von dem Chaos zuhause. Nach dem Tief folgte dann auch sofort das Hoch. Ich fand eine wundervolle neue Wohnung und eine neue Liebe - natürlich alles während des letzten Semesters. Das Leben nahm keine Rücksicht auf meine Abiturprüfungen.

Die Ablenkungen waren groß und die Motivation zum Lernen eher gering. Vor ca. 20 Jahren brach ich das Wirtschaftsgymnasium ab, weil mir die Schule einfach zum Hals raus hing und ich dachte, das brauche ich alles eh nicht. Aber all die Jahre über bereute ich meine damalige Entscheidung unterbewusst. Als ich mein Abitur bestand, merkte ich erst richtig, wie wichtig dieser Schritt für mich war.

Für meine weitere berufliche Laufbahn hätte auch das Fachabitur gereicht und ein Schnitt von 1,5 wäre auch nicht nötig gewesen. Für mich persönlich aber war es wichtig, denn so habe ich erfahren, dass man wirklich alles erreichen kann, wenn man nur will und bereit ist dafür zu arbeiten. Und so kann ich nun erleichtert antworten:
Ja, ich habe es gepackt!

Nein, ich bin nie zu alt für etwas, solange ich es wirklich will und an mich glaube! Und blamieren kann man sich nur, wenn man versucht die Ansprüche von anderen zu erfüllen. In diesem Sinne: Traut euch!


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Petra Wendlandt
44 Jahre
Mutter von vier Kindern im Alter von 24, 21, 17 und 6 Jahren
Abiturientin des Lehrgangs AbiVor

Noch einmal etwas anderes im Leben machen als Kinder großziehen, mich nicht mehr klein und unscheinbar fühlen, herausfinden, was in mir steckt: Diese Gedanken beschlichen mich vor fünf Jahren zum ersten Mal und gingen mir nicht mehr aus dem Kopf.
Ich hatte mich gerade von meinem Mann getrennt und war von heute auf morgen allein erziehende Mutter von vier Kindern, eines davon, das jüngste, behindert.

Über das Internet bin ich auf den Lehrgang AbiVor gestoßen und habe nach dem Informationsgespräch direkt entschieden, das zu machen. Außer einer abgebrochenen Ausbildung in der Krankenpflege, die ich wegen der ersten Schwangerschaft abbrechen musste, hatte ich ja beruflich nichts vorzuweisen.

Eigentlich hatten wir ein gutes Leben. Mein Ex-Mann ist Arzt und wir sind als Familie ständig umgezogen, haben in verschiedenen Städten gelebt, auch ein Jahr in London. Und in den Ferien sind wir mit dem Geländewagen kreuz und quer durch Europa und den Nahen Osten gefahren. Wir waren bei den Beduinen in Jordanien, in der Türkei und vor dem Nahostkrieg auch in Syrien.

Aber irgendwann habe ich gemerkt: meinem Mann ging es immer nur um seine Karriere, ich musste sehen, wie ich in sein Berufsleben reinpasse, fühlte mich wie ein Vogel im Gefängnis. Theoretisch hätte ich alles machen können, aber praktisch ging das gar nicht.
So habe ich, bevor ich wieder zur Schule ging, ehrenamtlich in einer Grundschule gearbeitet und Kinder bei den Hausaufgaben betreut. Oder in meiner Kirchengemeinde Kindergottesdienste organisiert. Die letzten Jahre vor der Geburt der Kleinen hatte ich Tageskinder und Tagespflegekinder.

An die Schule musste ich mich erst wieder gewöhnen. Familie und Lernen unter einen Hut zu bringen, war nicht so einfach. Gelernt habe ich immer abends, wenn die Kleine im Bett war. Auf der anderen Seite hat mir die Schule Halt und Sicherheit, eine Struktur gegeben. Die Lehrer habe ich als motivierend und unterstützend empfunden, anders als in der Schulzeit früher.

In meiner Klasse waren verschiedene Kulturen vertreten: Italien, Polen, Russland, Kurden, Türkei, Iran, Kosovo. Das empfand ich als bereichernd. Mit 44 war ich die Älteste, doch uns hat zusammengeschweißt, dass wir alle Kinder haben. Überhaupt hat mich die Schule verändert. Ich gehe jetzt mit offenen Augen durch die Welt, interessiere mich für Geschichte und Politik. Was macht das Internet mit mir? Über Massenüberwachung habe ich früher nie nachgedacht, um nur ein Beispiel zu nennen. Dieses Verstehen der Zusammenhänge ist spannend.

Was ich jetzt nach dem Abitur machen möchte? Vielleicht Islamwissenschaften studieren. Aber Deutsch als Fremdsprache oder Geschichte, mein Lieblingsfach in der Schule, finde ich auch interessant. Irgendwann sind die Kinder groß und gehen weg, da fallen einige Frauen in ein Loch, das will ich nicht.

Mein Tipp an die Neuen: arbeitet im Team zusammen. Trefft euch außerhalb der Schule und bildet kleine Lerngruppen. Und wenn ihr mal einen Durchhänger habt, vertraut euch einem Lehrer an und schraubt eure Erwartungen nicht zu hoch. Wenn man zum Beispiel in Mathe nicht so gut ist, ist das kein Beinbruch. Man kann sich immer Hilfe holen.