"Erfolgsgeschichten" nennen wir die Rubrik der Homepage, auf der jedes Jahr einige Absolventen eines Abschlussjahrgangs Ihre persönliche Schul-Geschichte aufschreiben.

Die Geschichten sollen Mut machen und dokumentieren, wie unterschiedlich die Wege auf unsere Schule sind. Vorher - aber auch währenddessen und danach.

Wir gratulieren zum bestandenen Abschluss!

Alle Erfolgsgeschichten

 

Erfolgsgeschichten Winter 2016

 

Wir gratulieren zum bestandenen Abitur und freuen uns, wieder neue Erfolgsgeschichten erzählen zu können!


Stefan Franz: „Unter uns: Schule ist geil!“

Vor ca. 30 Jahren hab ich mir gesagt: nie wieder Schule. Ich hatte 13 Jahren in der Schule verbracht. Mein Sozialverhalten war mehr  Testosteron-gesteuert und weniger  gesellschaftlich angepasst. Ich bin nicht über die elfte Klasse hinausgekommen. Frustriert habe ich Klausuren ungeschrieben abgegeben und aufgegeben.

Umso größer war meine Freude, als ich 2014 nach der E-Phase in die H3 versetzt wurde. Der Fluch war gebrochen: Ich hatte es in die zwölfte Klasse geschafft: zumindest ein Teilerfolg.
Und das Verrückte daran war, Lernen fing an, mir Spaß zu machen.

Ich bewegte mich jeden Abend mit meiner Piaggio zwischen meiner unwirklichen Film- und Fernsehwelt in Ossendorf und dem Abendgymnasium – der Bösewicht Rolf Jäger mutierte zum begeisterten Studierenden Stefan Franz. Es tat mir gut, geistige Leistung zu bringen. Ich traf auf Lehrer, die Freude daran haben, auf Augenhöhe mit uns Schülern zu kommunizieren, ganz anders als in meinem ersten Schulleben, in dem ich viele Lehrer hatte, die ich als talentfrei bezeichnen würde.

Eine völlig andere Qualität bekam mein Schulbesuch, als ich 2016  meine Arbeit verlor. Wie sollte ich mich in einer anderen Arbeitswelt zurechtfinden als der Schauspielerei? Welche Chancen hatte ich mit 50 Jahren, einen neuen Job zu finden? Fragen über Fragen. Auf jeden Fall kann ich mit meinem frischen Schulabschluss beweisen, dass ich in der Lage bin, Leistung zu erbringen. Bildung ist vielleicht nicht alles im Leben, aber  formale Qualifikationen wie das Abitur entscheiden viel in unserer Gesellschaft.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich hab es geschafft, das Fachabi und das Vollabi. Er ist auf meinem Auto, der Aufkleber „Abi 2016“. Ich bin stolz darauf und meiner Frau, den Lehrern und der Schulleitung dankbar. Sie haben mir mit ihrer Menschenliebe gezeigt, dass Schule geil ist. Sie haben mich schulisch rehabilitiert. Ach ja: Auch die Lehrer vom Köln Kolleg, die mich im Vorkurs in die Lernspur gebracht haben, sollen natürlich erwähnt werden.

Der kleine Stefan fragt sich, was in der Schule auf ihn zukommt.             Der stolze Stefan bei der Abiturrede
Der kleine Stefan fragt sich, was
in der Schule auf ihn zukommt.
Der stolze Stefan bei der Abiturrede.

 


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Andrea Noack: „Keiner ist zu alt zum Lernen!“


Seit ich Ostern 1978 das Gymnasium in der Obersekunda geschmissen habe, habe ich das bereut. Immer wieder malte ich mir aus, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich das nicht getan hätte. Ich fragte mich: Hätte ich mein Abitur überhaupt geschafft? Es folgten Ausbildung (Zahntechnik – den Beruf habe ich immer gehasst), Familie, Kinder, wie das so ist.
2013 erzählte mir jemand von der Möglichkeit, am Tageskolleg oder am Abendgymnasium das Abitur nachzuholen. Mutterseelenallein ging ich noch im selben Jahr zum Sommerfest des Abendgymnasiums und sah mir alles an. Die vielen Studierenden, die engagierten Lehrer, die Bons verkauften, am Grill standen oder Getränke ausschenkten. Nach einer Weile fragte ich die Lehrerin, die an der Bonkasse saß, ob es Altersbeschränkungen für die Aufnahme an der Schule gebe und welche Voraussetzungen man brauche. Die 2. Fremdsprache und eine abgeschlossenen Berufsausbildung konnte ich nachweisen, mittlere Reife hatte ich, ebenso Berufserfahrung. Das klang vielversprechend.
Auf meinen Einwand, ich sei ja wohl voll der Methusalem, begegnete man mir mit Lachen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte es einen Studierenden gegeben, der über 70 Lenze zählte, und der Älteste überhaupt sei über 80 gewesen. Das hat mich überzeugt. Einige Wochen nach dem Sommerfest hatte ich die Anmeldung auf dem Tisch. Ich war ab jetzt Studierende des Wintersemesters 2014!
Jetzt war es so weit: Ich kam in die E-Phase. Mein letzter Schultag war schon etwas her, aber wir hatten so nette und einfühlsame Lehrer. Sie gaben sich sehr viel Mühe, damit auch alle mit dem Unterrichtsstoff mitkamen. Wenn man mal daran dachte, das Handtuch zu werfen oder persönliche Probleme hatte, stand die Schulpsychologin Frau Michels zur Verfügung oder auch der jeweilige Klassen- oder Stufenleiter. So verging Semester um Semester. Die Zeit verflog im Nu. Es wurde gemeinsam für Klausuren gelernt, Referate und Vorträge gehalten. Dann wurden die abiturrelevanten Leistungskurse gewählt. Zum Glück konnte ich Mathe abwählen. Ich hatte eine reelle Chance, meinen Traum zu verwirklichen….
Die Abiturklausuren waren am Ende  gar nicht so schwer, wie ich es mir immer vorgestellt hatte.
Endlich durfte ich im Dezember mein Hochschulreifezeugnis in Empfang nehmen. Ich war megastolz, denn ich hatte sogar mit 2,2 abgeschlossen. Der Zeugnisübergabe und unser Abiball waren legendär!
In der Zeit an der Schule habe ich zahlreiche riesig nette junge Menschen kennen gelernt, von denen viele meine Kinder sein könnten. Ich habe mich trotzdem immer sehr wohl und akzeptiert gefühlt und Freunde gefunden. Sicher kostet es einiges an Disziplin und Durchhaltevermögen, vor allem wenn man abends in die Schule fahren und sich auch noch bis halb 10 konzentrieren muss, während die Freunde schon Feierabend haben und irgendwo  „rumchillen“. Aber Leute: Es lohnt sich, sich Mühe zu geben, wenn man ein solches Ziel hat. Ihr schafft das auch!
 

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Anne-Solene Planiol:

„Man glaubt es kaum. Nachdem man die Zeit auf dem Abendgymnasium beendet hat, vermisst man die Schule“

 

Begonnen hat  mein Weg zur Allgemeinen Hochschulreife auf der Realschule. Nachdem ich sie nach 6 Jahren erfolgreich abgeschlossen hatte, bin ich auf das Gymnasium gegangen mit dem Vorsatz, dort die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. So schön, so gut, so der Plan. Obwohl sich die Noten etwas nach unten hin bewegt haben (wovon man auch ausgeht, wenn man von der Realschule auf das Gymnasium wechselt), hat anfangs  noch das Meiste funktioniert. Drei Jahre später waren die Noten schlechter, jedoch waren meine Noten nicht so schlecht, dass ich die Abiturzulassung nicht bekommen hätte. Dann wurden die Abiturprüfungen geschrieben. Einige Wochen später rief mich mein Stufenleiter an und teilte mir mit, dass ich nach derzeitigem Stand mein Abitur nicht bestanden hatte. Es wurden die Abweich- und Nachprüfungen gemacht, aber leider haben die es auch nicht retten können, so dass ich das Gymnasium mit Fachhochschulreife verließ.
Im Anschluss habe ich eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau erfolgreich abgeschlossen. Aber mein Ego hat mich während dieser ganzen Zeit nicht in Ruhe gelassen. So habe ich im Internet nach Möglichkeiten gesucht, das Abitur nachzuholen. Das war mein erster Kontakt zum Abendgymnasium in Köln. Schnell war ein Beratungstermin vereinbart, so dachte ich zumindest, dass ich dort nur erstmal beraten werde. Als ich davon wiederkam, war ich als Studierende des Abendgymnasiums in Köln angemeldet.
Im Februar 2015 hatte ich meinen ersten Tag auf dem Abendgymnasium. Ich muss gestehen, dass die Umstellung nicht so glatt wie vermutet geschehen ist. Es ist eine enorme Umstellung jeden Abend zur Schule zu gehen, wenn man gewöhnt ist, morgens bzw. vormittags zu lernen. Und wenn die Freizeit reduziert ist, lernt man sie erst richtig zu schätzen. Die Erfahrung, die Allgemeine Hochschulreife auf dem Abendgymnasium nachzuholen, war trotzdem eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Die Lehrer sind kein Vergleich zu denen in einer Tagesschule, sie versuchen stets, die Studierenden in allen möglichen Situationen zu unterstützen, sei es vor Klausuren oder bei bestimmten Interessengebieten oder dabei, versäumten Unterrichtsstoff aufzuarbeiten,  teilweise auch am Wochenende. Hier nochmals: DANKE!

Hervorragend ist auch, dass man diese Erfahrung nicht alleine sondern mit anderen Menschen durchlebt. Die Vielfalt der Mitstudierenden ist enorm, nicht nur was das Alter oder die Nationalität angeht, sondern auch was sie in ihrer  Freizeit machen, ihre Religionen oder politische Gesinnung. So unterschiedlich die einzelnen Personen sein mögen, hat man doch ein gemeinsames Ziel und der Zusammenhalt ist enorm. Man lernt neue Leute kennen, mit denen man sich woanders wahrscheinlich nicht unterhalten hätte.  Und nach der gemeinsamen Zeit darf man sie als „Freunde“ bezeichnen. Was man wahrscheinlich nicht glauben wird: Nachdem man die Schulzeit auf dem Abendgymnasium beendet hat, vermisst man die Schule.  
Ich kann hier nur jedem einzelnen raten, der noch unschlüssig ist: Geht zum Beratungsgespräch. Wenn ihr die Voraussetzungen habt, werdet ihr die Schule sowieso angemeldet verlassen. smile Sie ist wirklich eine hervorragende Möglichkeit, das Abitur nachzuholen, wenn man früher zu faul, zu abgelenkt oder zu unschlüssig war.
 

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Gülcin Kaja: „Ich freue mich schon auf das Studium!“


Ich habe endlich mein Abitur!
Auch wenn es länger gedauert hat, bin ich froh, mein Ziel dennoch erreicht zu haben. Ich habe damals in der 12. Klasse aufgehört und wusste nicht wirklich etwas mit meinem Leben anzufangen. Nach mehrmaligen Versuchen etwas Neues zu beginnen, kam ich zu dem Schluss, dass ich nicht drum herum komme, doch noch Abitur zu machen. Es war schon immer mein Wunsch und daran hatte sich nichts geändert, ich wollte endlich mein Abitur. Das Abendgymnasium Köln war für mich die beste Wahl und ich bin wirklich froh, diese Entscheidung vor zwei Jahren getroffen zu haben.

Die Zeit verging wie im Fluge und die Lehrer haben mich unterstützt, wo sie nur konnten, trotz einiger Schwierigkeiten, die ich zwischenzeitlich hatte. Ich hätte mir niemals erträumt, dass es so einfach wird, denn ich hatte immer große Angst zu versagen, da es beim ersten Mal nicht geklappt hat. Doch die Lehrer und Mitschüler auf dem Abendgymnasium haben sich wirklich große Mühe gegeben, einem zu helfen. Ich möchte allen auf dieser Schule danken, die mich unterstützt haben und an mich geglaubt haben. Ich freue mich schon auf das Studium!

Liebe Grüße und viel Erfolg allen, die sich eine zweite Chance geben!

 


Die folgenden Erfolgsgeschichten stammen aus unserem Teilsystem AbiVor:

 

Nancy Atilgan
39 Jahre
Mutter von vier Kindern
Groß- und Außenhandelskauffrau

Warum ich Abitur machen wollte? Vor Jahren hatte ich auf der Volkshochschule angefangen, Türkisch zu lernen. Mein Mann hat türkische Wurzeln, deswegen hat mich das interessiert. Und zu Hause ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Nur Mutter zu sein, hat mich nicht ausgefüllt. Als ich dann immer mehr Crashkurse in Türkisch an der VHS belegte, meinte meine Türkischlehrerin: „Sie lernen so schnell, machen Sie doch das Abitur!“. Das habe ich jetzt gemacht. Die Schule war super und der Kontakt unter den Studierenden toll. Nur die letzte Phase kurz vor dem Abitur war etwas anstrengend. Jetzt bin ich fast traurig, dass es schon vorbei ist. Was ich jetzt studieren will? Eventuell Englisch auf Lehramt oder Betriebswirtschaftslehre. Das würde zu meiner Ausbildung passen. Ich mache seit Jahren die Buchhaltung in der Firma meines Mannes, ein Dienstleistungsunternehmen für Firmen in der Verpackungsmittelbranche.
Mein Tipp für die Neuen: dranbleiben, weitermachen, auch wenn man mal denkt, man schafft das nicht. Es geht immer weiter und letztendlich gibt es nichts Schöneres als ein Ziel erreicht zu haben. Das verändert einen.

 

Emine Akaslan
41 Jahre
Mutter von drei Kindern

In der Türkei habe ich nur die Grundschule besucht. Als ich dann 1998 nach Deutschland kam, bin ich zunächst im Frauenzentrum in Köln-Nippes gelandet, wo ich einen Deutschkurs besucht habe. Dann wollte ich weitermachen und habe meinem Mann und meinem Sohn erklärt, dass ich wieder zur Schule gehen will. Da haben mich die zwei nur ausgelacht und gesagt: „Bleib zu Hause, kümmere Dich um den Haushalt“.
Ich habe mich aber nicht einschüchtern lassen und habe zunächst den Hauptschulabschluss nachgeholt, dann in Mülheim auf der TAS den Realschulabschluss. Sowohl in der Hauptschule als auch in der Realschule hat man mich ermuntert weiterzumachen. Und jetzt habe ich das Abitur. Die letzten dreieinhalb Jahre haben mich sehr verändert: meine Sprache hat sich verfeinert, ich fühle mich frei wie ein Vogel. An der Schule habe ich viele interessante Menschen aus verschiedenen Ländern kennengelernt, neue Impulse bekommen, ja, ich koche jetzt sogar anders. Das Allerbeste aber ist: auch mein Mann und mein erwachsener Sohn haben sich mit mir verändert. Die lästern schon lange nicht mehr, sind längst total begeistert von meinem Weg und unterstützen mich, wo sich können: putzen, waschen, machen alles im Haushalt außer Kochen, das können sie nicht. Ohne ihre Hilfe in den letzten drei Jahren hätte ich es nicht geschafft.
Jetzt möchte ich studieren, am liebsten ein Fach auf Lehramt, damit ich mein Wissen und meine Erfahrung an Migranten weitergeben kann.
Mein Tipp richtet sich auch besonders an Migranten: nie aufgeben, lernen. Ich habe die Schule genossen, mein Leben hat sich verändert. So ein wunderbares Ereignis kann man nicht beschreiben, wenn man es selber nicht erlebt hat.

 

Silvia Beer
55 Jahre
Altenpflegerin

Als meine Kinder größer waren, habe ich für mich entschieden, wieder zur Schule zu gehen. Ich bin einfach ein Schulfan, lerne gerne, und irgendwie hat es mich immer geärgert, dass ich das Abitur nicht auf dem ersten Bildungsweg gemacht habe.
Die letzten drei Jahre habe ich als große Bereicherung erlebt. Anders als bei meiner Arbeit als Altenpflegerin, wo ich hauptsächlich mit älteren Menschen zu tun habe, hat mich das Zusammensein mit jungen Menschen sehr inspiriert. Ihre Phantasie und Energie haben mich angesteckt und ich war froh, dass sie kein Problem mit einer „älteren Schülerin“ hatten, sondern mich quasi als eine von ihnen angenommen haben. Alles in der Schule hat mir Spaß gemacht, mich angeregt, wieder mehr zu lesen.
Viele in meinem Bekanntenkreis haben gesagt: „dass Du Dir das noch antust in Deinem Alter“. Da kann ich nur sagen: warum denn nicht? Nun möchte ich studieren: vielleicht Soziale Arbeit, das passt zu meinem Beruf.
Mein Tipp für die Neuen: Die Schule ist enorm bereichernd, aber kein Pappenstiel. Man muss auch etwas dafür tun. Wie überall im richtigen Leben.