Wir treffen uns um 9 Uhr am Eingang des FC–Museums , welches sich in der Tribüne des Rhein-Energie-Stadions befindet, werden dort eingesammelt und in den Pressekonferenzraum geführt, wo uns Burkhard Hupe und Sven Pistor erwarten und begrüßen.

Dort, wo sonst die Bundesliga-Trainer nach dem Spiel ihre Einschätzungen abliefern, sitzen nun die beiden vor der zahlreich bestückten Werbetafel und die Plätze der Journalisten haben wir eingenommen... naja, zumindest die ersten anderthalb Reihen.

Die Atmosphäre ist wie auch die beiden Gastgeber äußerst entspannt, es wird sich sofort auf's 'Du' geeinigt und Hupe und Pistor bzw. nun eben Burkhard und Sven stellen sich gegenseitig vor, erzählen uns, wie die nächsten Stunden weiter ablaufen sollen und plaudern ein wenig aus dem Nähkästchen.

Schnell wird klar, dass sowohl der Job des Moderators als auch der des Kommentators in erster Linie aus Handwerk und Vorbereitung bestehen, weniger aus 'einfach mal plappern' können und dass solch ein Samstagnachmittag nach minutiösen Vorgaben läuft..

Nach dieser Begrüßungsrunde geht es hinunter in noch heiligere Hallen, nämlich in die Original-Umkleidekabine des 'Effzeh'. Dort werden weitere Anekdoten aus dem Reporterleben erzählt, während sich diejenigen von uns, die sich bereit erklärt haben, gleich ein bißchen zu kicken, umziehen.. Durchaus ein Opfer, denn es ist früh, es ist nass und es ist kühl.. Fritz-Walter-Wetter eben.

Wir treten aus der Kabine hinaus in den Bereich, in dem sich die Mannschaften an Bundesligaspieltagen zum ersten Mal begegnen, wo sie stollenklackernd dann darauf warten, von den Schiedsrichtern angeführt die Stufen hoch ins Stadion zu laufen, in dem 50.000 Fans warten, Fahnen schwenkend, brüllend und singend...

Hier wäre die tosende Menge zum ersten Mal zu hören und durch die Glastüren zu sehen und obwohl auf uns heute leider keine 50.000 warten, bekommt man eine vage Vorstellung davon, wie sich diese letzten Minuten vor dem Einlaufen anfühlen müssen.

Trotz heute fehlender Fans haben sich Sven und Burkhard alle Mühe gegeben, uns die Vorstellung noch ein wenig zu erleichtern... denn mit Öffnen der Türen ins Stadion erklingt auch für uns die FC-Hymne aus den Lautsprechern... „Iehrefeld, Raderthal, Nippes, Poll, Esch, Pesch un Kalk – överall jitt et Fans vum Effzeh Köööööölle...“

Und so geht es raus ins Stadion – durch die Glastür, auf der für die Heimmannschaft der Geißbock Hennes aufgedruckt ist und einen freundlich anschaut... während übrigens auf der Tür für die Auswärtsmannschaft ebenfalls Hennes zu sehen ist – hier allerdings von hinten.

Im Stadion erst einmal Fototermin. Leider, wenn auch wenig überraschend, werden wir unser kleines Spielchen nicht im Stadion austragen, denn der Rasen ist noch mehr als heilig und der Platzwart, der neben uns zur Zeit die einzige Person dort ist und gerade den Rasen mäht, betrachtet uns etwas argwöhnisch und vermittelt die Bereitschaft, sofort zu schießen, sollte es jemand von uns wagen, den Rasen zu betreten.

Stattdessen drehen wir eine halbe Ehrenrunde und begeben uns dann auf einen Trainingsplatz außerhalb der Arena... Zwei Vierermannschaften werden eingeteilt, die übrigen werden der Reihe nach zu Kommentatoren, mit Kopfhörer und Mikro.

Den Anfang allerdings macht Burkhard selbst und vom Spielfeld aus hört man ihn die erste Minute durchgängig reden in einer Tonlage, die jedem Zuhörer das Gefühl vermittelt, dass hier etwas Spektakuläres vonstatten geht.

Nachdem er das Mikrofon weiter gegeben hat, wird es merklich ruhiger und man stellt schnell fest, wie schwierig es ist, das Geschehen ohne größere Pausen zu kommentieren und auch dann weiter zu sprechen, wenn auf dem Spielfeld gerade mal nichts passiert. Vor allem und verständlicherweise gilt das für diejenigen, die mit Fußball nicht so viel zu tun haben und vielleicht auch noch nicht so viele Live-Reportagen im Radio oder im Fernsehen verfolgt haben, aber auch den 'Fußball-Fachleuten' unter den Studierenden fällt es schwer.

In der zweiten Halbzeit, also den zweiten zehn Minuten des Spiels, erleichtert Burkhard die Aufgabe ein wenig dadurch, dass er jeweils gemeinsam mit einer weiteren Person als Zweier-Team im Wechsel kommentiert.

Das Spiel übrigens, in dem eine Mannschaft den 1.FC Köln und die andere ausgerechnet Bayer Leverkusen verkörpert, endet nach dramatischem Spielverlauf 4:4... es wird noch viel darüber zu reden sein..

Auf dem Rückweg Richtung Kabine machen wir im Vorraum halt – vor der exakt markierten „Interviewzone“, hinter der sich wiederum die Werbepartner des 1.FC auf einer großen Stellwand unübersehbar empfehlen.

Hier finden direkt nach dem Spiel die ersten Interviews mit den noch schweißnassen und gegebenenfalls emotional aufgebrachten Spielern statt... wer erinnert sich noch an Mertesacker nach dem WM-Spiel gegen Algerien?

Auch das wird geprobt – je ein Interviewer befragt einen Spieler, drei Fragen, maximal vier – an Emotionen herrscht nach diesem sensationellen 4:4 im rheinischen Derby kein Mangel.

Danach wieder umziehen, womöglich auf dem gleichen Platz, auf dem es einst Prinz Poldi tat – das Entmüdungsbecken des 1.FC dürfen wir leider nicht benutzen.

Zurück geht es in den Pressekonferenzraum, wo wir uns nun aus Lautsprechern anhören dürfen, was wir da vom Spielfeldrand aus und in der Interviewzone so verzapft haben... und es wird deutlich, was jedem Betroffenen schon vorher klar war: Leicht ist das nicht... viele Pausen... viele „Ähs“... und viel Gestammel... aber dennoch auch einige Stilblüten wie „Das Wetter ist so schlecht, sogar die Vögel fliegen weg“ oder „Der Schiedsrichter hat die Pfeife im Mund, aber er benutzt sie nicht“ sind zu hören.

Natürlich gibt es individuelle Ratschläge und angenehmerweise bekommen wir dann auch noch ein paar „Aussetzer“ von gestandenen Reportern vorgespielt, die ihre Emotionen so gar nicht mehr kontrollieren konnten.

      
Pressekonferenz

Zum Abschluss des Programms muss jeder von uns noch einmal alleine auf die Bühne der Pressekonferenz und einen einminütigen möglichst freien Vortrag zu seiner Person halten... auch hier haben Sven und Burhard einige Tipps und überziehen Ihr Programm um eine halbe Stunde, was – wie der gesamte bisherige Auftritt – nochmal deutlich macht, dass die beiden Spaß an dem haben, was sie tun... sei es nun am Mikrofon oder bei der Durchführung dieses Workshops.

Nach einer letzten Feedback-Runde war es das dann – auf dem Weg nach draußen machen wir nochmal einen Schlenker durch eine der Zuschauerlogen und betrachten vom Balkon derselben Burkhards Kommentatorenplatz im Stadion – so er denn ein Heimspiel des FC kommentiert..

Kommentatorenplätze

Im Stadion ist nur noch der Platzwart, der gerade den Rasen trocknet..

Das Feedback der Teilnehmer war durchgehend positiv bis begeistert und auch die Gastgeber selbst betonten, dass es für sie interessant war, diesen Workshop einmal nicht mit Schulkindern, sondern eben mit Erwachsenen durch zu führen. Und dass sie das durchaus gerne wiederholen würden...

Falls also bei einzelnen von Euch, einer Klasse oder einem Kurs, z.B. einem Deutsch- oder Sportkurs (aber keineswegs zwingend) Interesse an der Teilnahme an einem solchen Workshop aufgekeimt sein sollte, wendet Euch an Eure Fachlehrer oder direkt an Karsten Simons, der den Kontakt dann herstellen und Euch weitere Informationen (Terminvorschläge, Einschränkung der Teilnehmerzahl, Kosten) geben kann.

Bu(Fotos) und He