Ökonomie & Moral: Gesundheits-Apps auf dem Prüfstand

Ende des Wintersemesters 2018/19 besuchte der Leistungskurs Soziologie  der H5 eine Veranstaltung im Rahmen  der Ringvorlesungen der Universität Köln, die gezielt auch Schülerinnen und Schüler als Adressaten ansprechen. So konnten unsere Studierende, die in wenigen Monaten die Abiturprüfungen absolvieren, schon einmal
Universitätsluft schnuppern.

Thema des Vortrags von Prof. Dr. Remi Meyer-Rigaud (von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg), der den Studierenden sehr gut gefiel, waren die Gesundheits-Apps, die mittlerweile auf vielen Smartphones vorinstalliert sind. Mit ihnen kann man z.B. täglich Schritte zählen und andere Gesundheitsdaten erfassen. Wenn man dann auch noch sog. Wearables hat, kann man sogar noch seinen Puls messen und ähnliches.

Kritik übte der Vortragende insbesondere an den – mittlerweile gesetzlich verpflichtenden – Bonusprogrammen, die die Krankenkassen anbieten (müssen) und die häufig mit diesen Gesundheits-Apps verbunden werden. Sie trügen dazu bei, die Solidarität unter den Versicherten zu schmälern (These der Solidaritätserosion), da die Nutzer dieser Apps den Eindruck gewönnen, die Gesundheit eines Menschen läge vornehmlich in dessen Eigenverantwortung. Die Gefahr läge z.B. darin, dass vermehrt sog. Risiko-Patienten einen höheren Krankenkassenbeitrag bezahlen werden müssen. Daher sprach sich Herr Meyer-Rigaud dafür aus, die Bonusprogramme bzw. deren gesetzliche Grundlagen zu überdenken.

Anknüpfungspunkte an den Soziologie-Unterricht konnten wir anschließend in den Grundprinzipien des Sozialstaats, der Individualisierungthese von Beck oder den schicht- bzw. milieuspezifischen Aspekten im gesellschaftlichen Teilsystem Gesundheit finden.

Abgerundet wurde der Abend durch die Gastfreundschaft der Fakultät für Wirtschaft & Soziales (WiSo), die den Gästen Erfrischungsgetränke und frische Brezeln spendierte.