Daniel Kauder
29 Jahre
Berater im Verkauf

 

Im Handwerk fühlte ich mich immer fehl am Platz. Das hat schon mein früherer Chef erkannt, in dessen Zwei-Sterne-Restaurant ich eine Lehre im Service begann. „Sie sind so ruhig und nachdenklich“, sagte er, „Sie brauchen einen Beruf, bei dem das Denken im Vordergrund steht“. Mir selbst war das damals noch nicht klar. Nach der abgebrochenen Realschule und der abgeschlossenen Abendrealschule habe ich zunächst den Zivildienst gemacht, war Friedhofsgärtner bei der Bonner Synagogengemeinde, hatte einen Minijob bei den Weight Watchers und immer wieder Jobs in der Gastronomie. Das ging so lange gut, bis ich 2010 meinen damaligen Job verlor und auch nach einem Jahr Arbeitslosigkeit nichts Neues gefunden hatte. Mit dem Gefühl, beruflich in einer Sackgasse zu stecken, habe ich mich dann am Abendgymnasium beworben und bin sofort sehr herzlich aufgenommen worden. Der Einstieg war super, doch dann kam der nächste Schlag: meine Freundin bekam Krebs. Das hat mich so belastet, dass ich die Schule beinahe abgebrochen hätte. Heute weiß ich, dass ich es ohne die Hilfe der Lehrer nicht geschafft hätte. Als dann meine Freundin den Krebs besiegt hatte, hat mir das so einen solchen Kick gegeben, dass meine Leistungen wieder ziemlich gut geworden sind. Ich wurde Schulsprecher und durfte ab dem zweiten Semester am Programm Schüler-Uni für Hochbegabte teilnehmen. So habe ich schon zwei Jahre vor dem Abitur als „Schülerstudent“ an der Uni Köln Philosophie studiert. Eine tolle Erfahrung.  

Ich weiß jetzt, dass ich den Dingen gerne auf den Grund gehe und dass Philosophie genau das richtige Studienfach für mich ist. Während meiner Zeit am Abendgymnasium habe ich über den Unterrichtsstoff hinaus drei Filmdokumentationen gedreht: für den Bio-, Geschichts- und Deutschunterricht.

Den Neuen an der Schule rate ich: haltet durch. Lernt bei allem zuerst das Wie, die Methode, dann lässt sich das Was, der Stoff, leichter integrieren.

 

Meryem Ercan
35 Jahre
Hochzeitsdekorateurin

Die Planung von türkischen Hochzeiten dauert viele Tage und erfordert etliche Gespräche mit dem Brautpaar. Schließlich muss am Ende alles stimmen: von der farblich abgestimmten Tischdeko bis zum Schmuck für das Brautauto. Das ist dann der Fall, wenn es nicht nur dem Brautpaar, sondern auch mir gefällt.

Ich arbeite in dieser Branche schon 12, 13 Jahre. Manche Bräute, die mich als Dekorateurin buchen, wirken noch so jung und so verträumt, dass ich nicht umhin kann zu fragen, ob sie wirklich schon heiraten wollen. Einen solchen Schritt sollte man sich gründlich überlegen. Andere Dinge aber muss man einfach sofort angehen. Zum Beispiel das Abitur machen. Meine Lehrerin auf der Hauptschule hat mir schon damals geraten, weiter zu lernen. Und als ich mich für den KOOP-Lehrgang anmeldete, wusste ich vom ersten Tag an, dass ich durchhalten werde und das Abitur machen werde.

Ich bin als Kleinkind nach Köln gekommen, war dann bis zur 6. Klasse in der Schule, danach drei Jahre in einem Internat in der Türkei, einer Koranschule, bevor ich nach Köln zurückkehrte. Dann habe ich geheiratet, drei Kinder bekommen, den Hauptschulabschluss nachgeholt, mich von meinem Mann scheiden lassen und mich am Abendgymnasium für den KOOP-Abiturlehrgang angemeldet. Jetzt habe ich das Abitur und bin fast traurig, dass die dreieinhalb Jahre schon vorbei sind. Das Lernen hat mir so viel Spaß gemacht. Natürlich gab es Tage, an denen war ich gestresst, doch wir hatten einen so guten Zusammenhalt in der Klasse, dass ich mich dort immer wohl gefühlt habe. Nun will ich Jura studieren und eines Tages zusammen mit meinen Freundinnen eine Kanzlei eröffnen, um Frauen zu unterstützen – als Fachanwältin für Familienrecht.

Ein Ziel zu haben, ist das A und O. Und bitte nicht sofort aufgeben, wenn es mal stressig wird! Das wäre mein Tipp für zukünftige Absolventen des Abendgymnasiums.

 

 

Coralie Schreiter
37 Jahre
Einzelhandelskauffrau, Yogalehrerin und Fitnesstrainerin
tätig in Verkauf und Dekoration

Ich habe schon viel in meinem Leben gemacht, hatte mal einen eigenen Laden, war Fitnesstrainerin und Yogalehrerin, habe in einem Café gearbeitet. Als meine Söhne 9 und 10 Jahre alt waren, wurde es mir in Limburg, wo ich viele Jahre gelebt hatte, zu eng. So habe ich alles hingeschmissen und bin blauäugig nach Köln gezogen. Dort habe ich direkt mit dem Abiturlehrgang KOOP begonnen und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit auch noch einen Teilzeitjob gesucht.

Schule, Kinder, Arbeit – das war am Anfang sehr anstrengend, zumal der Laden, in dem ich eine Stelle gefunden habe, gerade erst neu eröffnet wurde. Doch allmählich entwickelte ich einen Rhythmus, sodass ich alles bewerkstelligen konnte. Selbst für meine kleinen Hobbys blieb noch ein bisschen Zeit. Ich gehe gerne Lambada tanzen.

Nun bin ich froh, dass ich das Abitur in der Tasche habe. Was ich studieren will? Vielleicht Französisch, das ist so eine schöne Sprache, oder Medienkulturwissenschaften. Doch jetzt ist erst mal etwas Erholung angesagt.

Wie kommt man einigermaßen gut durch die Schule? Mein Tipp: Immer anwesend sein, das ist das ganze Geheimnis. Wenn man häufig fehlt, verliert man schnell den Faden und gibt schließlich auf. Das ist wie im Fitnessstudio: wenn man da schlampt, lässt die Kondition auch nach und man quält sich nur noch.

 

 

Fabian Feller
29 Jahre
Kommunikationswirt

Ich bin früher schon auf dem Tagesgymnasium gewesen, bis zur Klasse 11 gekommen, dann sah ich mich wegen privater Gründe gezwungen, die Schule zu verlassen, und wollte auf einer Privatschule mein Abitur machen. Das ist am Fach Mathematik gescheitert. Das Kölner Abendgymnasium war nach dieser Erfahrung eine super Alternative. Man hielt zusammen, man half sich gegenseitig. Das hatte ich vorher noch nicht erlebt. So habe ich dieses Mal die scheinbar unüberwindliche Hürde Mathe geschafft.

Was ich jetzt machen möchte? Irgendetwas in Richtung Webdesign am liebsten. Da hatte ich auch schon einen Ausbildungsplatz, doch der liegt gerade auf Eis. Ich werde jetzt wahrscheinlich Rettungsingenieurswesen an der FH in Köln studieren.

Mein Tipp für zukünftige Absolventen: regelmäßig zum Unterricht gehen, dann ist es wirklich sehr gut machbar und deutlich weniger Aufwand zu Hause..

 
 

Markus Janssen
27 Jahre

Industriemechaniker

Die letzten dreieinhalb Jahre hat der Wecker regelmäßig um fünf Uhr morgens geklingelt, dann bin ich um sechs Uhr zur Arbeit gefahren und danach direkt zum Unterricht zum Abendgymnasium. Das war anstrengend, das ging schon an die Substanz.

Nun will ich Maschinenbau studieren, im Abendstudium neben dem Beruf.

Nach fünf Jahren Berufserfahrung als Industriemechaniker hätte ich auch ohne Abitur studieren können, doch das wollte ich nicht wegen Mathematik. In dem Fach konnte ich eine Auffrischung meiner Kenntnisse von früher gut gebrauchen.

Das Abitur habe ich nur für mich selbst gemacht. Für mein Studium hätte das Fachabitur gereicht. Die Schule hat mich persönlich enorm bereichert, auch privat haben wir viel zusammen unternommen.

Mein Tipp für die Neuen: haltet durch, auch wenn ihr mal eine Klausur in den Sand setzt.