Formale Grundlagen zum Fach VWL am Abendgymnasium

By Christoph F. Siekermann [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia CommonsDas Fach Volkswirtschaftslehre (VWL) wird am Abendgymnasium Köln als Grundkurs ab dem 3. Semester in dem regulären Abendsystem und in Abitur-Online angeboten.
Am Abendgymnasium bilden VWL und Soziologie jeweils ein eigenes Fach, welches an Tagesschulen i.d.R. als Teil von SoWi zusammengefasst ist.

VWL kann als Abiturfach gewählt werden, obwohl es nicht in der E-Phase angeboten wird, da eine Teilnahme an Geschichte/Sozialwissenschaften die formalen Bedingungen des Abiturfachs liefert.

In VWL werden in der H3 eine Klausur, in den dann folgenden Semestern zwei Klausuren geschrieben. Die Klausur besteht i.d.R. aus drei Fragestellungen zu einem wirtschaftlichen Text (z.B. Zeitungsartikel, Interview, …).

Im Abitur zählt es zum gesellschaftswissenschaftlichen Bereich.

VWL im Zentralabitur

Die vom Zentralabi verlangten Vorgaben und Ziele können Sie hier nachlesen:

https://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/abitur/abitur-weiterbildungskolleg/faecher/weiterbildungskolleg-dateiliste.html?fach=15

Vorbemerkungen zur Bedeutung des Faches für den Lernweg der Studierenden

Wirtschaft stellt einen wichtigen Teil unseres Lebens dar. Wirtschaftliche Entwicklungen und Entscheidungen betreffen uns als Arbeitnehmer oder Selbstständige, als Einkommensbezieher, Konsumenten oder als Steuerzahler.

Wer wissen will, wie z. B. Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Wohlstand und soziale Sicherheit zusammenhängen, ist bereits auf dem besten Weg, sich mit VWL zu beschäftigen.
Die Volkswirtschaftslehre als Fach im Zweiten Bildungsweg zielt darauf ab, wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich zu machen.

Um die Urteils- und Entscheidungsfähigkeit in wirtschaftlichen und sozialen Fragen zu fördern, knüpft das Fach Volkswirtschaftslehre an die Berufs- und Lebenserfahrungen, welche z.B. in den Bereichen Haushalt (Kaufentscheidungen, Steuern, ...), Arbeit (Lohnverhandlung, Arbeitsbedingungen, soziale Sicherung, …), Unternehmen (Warum zahlt mein Chef nicht mehr?, wie gestaltet das Unternehmen die Preise seiner Produkte?) oder Verwaltung (Wozu zahle ich Steuern? Warum ist das Abendgymnasium kostenlos?) gemacht haben, an und stellt diese in einen Zusammenhang mit ökonomischen Modellen.

Gegenstand und Methodik des Faches

Die Volkswirtschaftslehre beschäftigt sich mit Themen wie dem Wirtschaftskreislauf, der Produktion, dem Markt, der Preisbildung, dem Wirtschaftswachstum, dem Eingreifen des Staates, aber auch Themen wie Geldpolitik der EZB, dem Arbeitsmarkt und der Außenwirtschaft.

Auch wird die Perspektive des Arbeitnehmers verlassen und es wird überlegt, weshalb z.B. eine Regierung bestimmte Maßnahmen beschließt oder warum der Unternehmer seine Investition tätigt.

 

Themen im VWL-Unterricht

Die Themen des VWL-Unterrichts orientieren sich an den Vorgaben des Zentralabiturs NRW (siehe auch: offizielle Zentralabiturseite des Ministeriums des Faches VWL am WbK ).

Semester 3

Unterrichtsvorhaben I:
Konjunktur und Konjunkturpolitik: Sind wir zum ewigen Wachstum verdammt?

Unterrichtsvorhaben II:
Die Rolle des Staates im Wirtschaftsgeschehen - Nachtwächter, Steuer- oder Feuerwehrmann?

Semester 4

Unterrichtsvorhaben III:
Ermöglichen Marktmechanismen gerechte Löhne und eine nachhaltige Entwicklung?

Unterrichtsvorhaben IV:
Chancen und Risiken des europäischen Binnenmarkts

Semester 5

Unterrichtsvorhaben V:
EZB: Stabilitätswächter oder Krisenmanager?

Unterrichtsvorhaben VI:
Eine Welt = Feine Welt? - Wirtschafts- und umweltpolitische Herausforderungen in einer globalisierten Welt

Semester 6

Wiederholung und Vertiefung , ggf. Ökonomie - Ökologie

By Ryan Lawler (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Links, Literatur und eingeführtes LehrbuchPhoto of container ship loading at Copenhagen, taken August 2003 by User:Stan Shebs and licensed under GFDL

Offizielle Zentralabiturseite des Ministeriums des Faches VWL am WbK

z.B.
Pocket Wirtschaft - Grundbegriffe Bundeszentrale für politische Bildung

z.B.
http://www.bpb.de/shop/buecher/pocket/34351/pocket-global-globalisierung-in-stichworten - Pocket Wirtschaft: Globalisierung in Stuchworten

zentral sind aktuelle Texte zum Wirtschaftsgeschehen, z.B. aus den Online-Medien, ...

Eingeführtes Lehrbuch

Als Grundlage des Unterrichts wird z.B. folgendes Lehrbuch verwendet werden, was in der Schulbuchausleihe verfügbar ist:
Wirtschaftspolitik im internationalen Rahmen
https://www.klett.de/produkt/isbn/978-3-12-885125-9
Inhaltsverzeichnis: https://www.klett.de/web/uploads/assets/3e/3ec5e67b/885125_inhalt.pdf

 

Beispielklausur VWL - Thema „Arbeitsmarkt“

FragestellungStreik 1973 - Forderung 13% mehr Lohn - By Monster4711 (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

Frage 1: Erläutern Sie die These der Autorin, dass „kulturelle Homogenität“ (Homogenität entspr. „Gleichartigkeit“) der Mitarbeiter eines Unternehmens ein Wachstumshemmnis für das Unternehmen bedeuten kann. Geben Sie dazu auch ein Beispiel an, das die Kaufentscheidung eines Kundens transparent macht.

Frage 2: Erläutern Sie, nach welchen Kriterien ein Unternehmer auf Grundlage des Marktmodells seine Arbeitnehmer einstellt.

Frage 3: Diskutieren Sie die Frage, ob eine heterogene Arbeitnehmerschaft im internationalen Wettbewerb ein Vorteil sein kann. (diskutieren → Vorteile nennen, Nachteile nennen, begründetes eigenes Urteil)

Frage außerhalb der Musterklausur: In dem Bild "Demonstration vor dem Kölner Pressehaus beim Druckerstreik 1973" streiken Drucker für 13% mehr Lohn. Erläutern Sie, warum es heute bei Streiks kaum mehr zu so hohen Forderungen kommt. Gehen Sie dabei auch auf die Unternehmerperspektive des Lohns ein.

Textgrundlage

Kulturelle Homogenität als Wachstumshemmnis

Gisela Erler, 27.1.2005

Kulturelle Mischung und eine vielfältige Zusammensetzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen Unternehmen einen wirtschaftlichen Vorteil, findet Gisela Erler - so spiegelt die Mitarbeiterstruktur diejenige der Kundschaft wider.

Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen für Firmen, das die Firmen dabei unterstützt, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Und das hat sich erweitert. Wir sind heute so genannte Diversity-Spezialisten, d.h., wir unterstützen Firmen dabei, verschiedene Gruppen ausländischer Mitarbeiter, Gruppen von Frauen, Gruppen aktiver Familienväter und auch homosexueller Mitarbeiter besser integrieren zu können und beraten sie, wie sie diese auch dabei unterstützen können, Karriere zu machen, um ihre Mitarbeiterpotentiale besser zu nutzen.

Das Interesse der Firmen ist natürlich im Kern nicht gesellschaftlich-politisch, sondern ist eigentlich ein wirtschaftliches. Es geht ihnen darum, dass sie bei den Marktveränderungen besser präsent sein können, dass sie die neuen Kundengruppen – seien es ältere Menschen oder Menschen im europäischen Ausland oder in Amerika – besser erreichen können, damit sie überhaupt Wachstumspotential haben. So ist ihre These, wenn sie ihre eigene Mitarbeiterstruktur in Einklang mit dem Menschenpotential bringen, dass sie auch verkaufen wollen.

Man braucht natürlich Hochtechnologie, um wachsen zu können, man braucht Talente. Das heißt, wir müssen alle Talente in unserer schrumpfenden Bevölkerung entwickeln und nicht große Gruppen einfach außen vor lassen – wie ausländische Mitbürger oder Frauen. Und wir brauchen auch Toleranz, also kreative Toleranz. Und da gibt es ja solche Thesen – wie zum Beispiel dass dort, wo besonders viele homosexuelle Menschen leben, in dem es nichteheliche Lebensgemeinschaften und erfolgreich integrierte Ausländer gibt – dass in solchen Regionen die Wirtschaft viel besser wächst als anderswo – nachweislich in den USA, aber auch bei uns.

Ich bringe immer dieses Beispiel: Es gibt viele Zeichen, die darauf hindeuten, dass eine Region – ich nehme jetzt mal exemplarisch Stuttgart – langfristig an dieser Stelle Wachstumsprobleme bekommen wird. Schon heute möchten junge kreative Potentiale nicht gern in eine solche Hauptstadt gehen, die doch als kulturell zu homogen empfunden wird, und damit zu eingeschränkt. Und ich will es noch mal zuspitzen und sagen: Es könnte sein, dass solche Krisen, wie sie Daimler heute hat, auch mit Problemen der Wahrnehmung, der Vielfalt zu tun haben. Das Selbe sagt man ja für Japan, dass die japanische Wirtschaft auch ihre Innovations- und Wachstumskrise hatte, weil sie vollständig homogen von japanischen Männern, ohne Frauen, ohne Ausländer, geführt wurde und dass das eine echte Sperre ist.

06. Mai 2004

 

Quellenangaben

Text Musterklausur

http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/wirtschaftspolitik/71340/kulturelle-homogenitaet-als-wachstumshemmnis

Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Hinweis: Der Text der Musterklausur wurde danach ausgewählt, dass er die CC-Lizenz besitzt und damit durch die Nennung des Autors und der Quelle unverändert auf der Schulhomepage verwendet weden darf. Details siehe cc by-nc-nd/3.0/de/

verwendete Bilder

Euro - By Christoph F. Siekermann [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d9/EZB.jpg

Börse New York Stock Exchange - By Ryan Lawler (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ANYSE127.jpg

Photo of container ship loading at Copenhagen, taken August 2003 by User:Stan Shebs and licensed under GFDL https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/09/Container_ship_loading-700px.jpg

Streik 1973 - "Demonstration vor dem Kölner Pressehaus beim Druckerstreik 1973" - Forderung 13% mehr Lohn - By Monster4711 (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/91/Druckerstreik.jpg