Andrea A., Wintersemester 2015

33 Jahre
Mutter zweier Kinder, 7 und 5 Jahre alt

Den entscheidenden Kick, das Abitur zu machen, bekam ich letztendlich durch einen Professor, mit dem ich mal in einem Projekt zusammenarbeitete. Er wollte mir ohne Abitur die Möglichkeit geben zu studieren, allerdings nur bestimmte Fächer, doch ich wollte frei sein in der Wahl des Studiums.

Seit ich das Gymnasium nach der Klasse 11 verlassen hatte, habe ich alles Mögliche gemacht: an der Fachhochschule in Alfter bei Bonn mit Sonderbegabten-Prüfung Schauspiel studiert und abgebrochen, in Berlin in einer Werbeagentur ein Volontariat gemacht. Und immer dachten alle, ich hätte das Abitur. Die Liebe hat mich schließlich zurück nach Köln gebracht, und nach der Familiengründung, der Geburt meiner beiden Kinder, stand eine Umorientierung in meinem Leben an: das Abitur nachholen.

Nun ist der erwähnte Makel ausgemerzt. Ich habe ein sehr gutes Abitur gemacht. Jetzt kann ich alles studieren, was ich will. Jetzt muss mir kein Professor ein Studium „schenken“.
Wahrscheinlich schreibe ich mich für Volkswirtschaftslehre ein. Seit 12 Jahren arbeite ich für eine Nichtregierungsorganisation, die sich für direkte Demokratie stark macht. Wie kann Gleichberechtigung konkret gedacht und praktiziert werden? Wie gestaltet sich ein gerechtes Wirtschaftssystem? Was ist die Aufgabe Europas? Das interessiert mich.
Gerechte Bildung ist auch so ein Thema, das mich umtreibt. Den Ersten Bildungsweg habe ich als sehr selektiv wahrgenommen. Ich war als Jugendliche auf einer Art Elitegymnasium und fühlte mich dort oft fehl am Platze.

Das Lernen als Erwachsene hat mir viel gebracht, inhaltlich wie menschlich. Der Zweite Bildungsweg ist einfach zeitgemäß für junge Frauen und Männer, hier bekommt man eine echte zweite Chance. Zudem wird er aufgrund der Flüchtlinge und Migranten immer wichtiger, weil viele ausländische Schulabschlüsse in Deutschland nicht anerkannt werden. Deshalb rate ich allen, die diesen Weg noch vor sich haben: zögert nicht, traut euch etwas zu und meldet euch an. Die Schule lässt sich gut mit Job und Kindern vereinbaren.

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