Johanna H., Sommersemester 2021

Ich war gerade Mutter geworden und hatte mich für drei Jahre Elternzeit entschieden. Dabei war mir schon in der Schwangerschaft klar, dass ich in meinen bisherigen Arbeitsbereich nach dieser Zeit nicht zurückkehren möchte.
Mein Sohn war gerade drei Monate alt, als mir wieder einmal klar wurde, wie sehr ich es bereute, mein Abitur nicht gemacht zu haben und ich mir so ein breites Spektrum an beruflichen Möglichkeiten „versperrt“ hatte. Immer mal wieder tauchten diese Gedanken und der Ärger darüber im Laufe der letzten Jahre auf.
Doch diesmal, ohne Perspektive, wie es nach der Elternzeit weitergehen sollte, und mit der Bestärkung meines Mannes war der Entschluss gefasst.
Jetzt oder nie – das Abitur muss endlich nachgeholt werden! Kurzerhand im Internet recherchiert, was es für Möglichkeiten in Köln gibt, Kontakt mit dem Abendgymnasium aufgenommen, direkt eine Antwort und einen Termin zur Anmeldung vereinbart. Dass dieser erste Kontakt und die Abwicklung der Anmeldung so unkompliziert und so freundlich verlief, bestärkte mich in meinem Vorhaben ungemein. Das Gefühl von „zur rechten Zeit am rechten Ort“ zu sein, stellte sich direkt ein.
Dass das Abendgymnasium Köln die Möglichkeit anbietet, das sogenannte Online-Abitur zu machen, hat mir, wie vielen anderen auch, erst die Chance eröffnet, diesen fehlenden Haken in unserem Leben zu setzten. Statt fünf hatten wir nur zwei Präsenzabende in der Schule und mussten bzw. konnten so die anderen drei Tage den Lernstoff mit der Unterstützung unserer Lehrer (die auch über den Präsenzunterricht hinaus immer für einen da waren), der Lernplattform und unserer Arbeitsmaterialien aus dem Unterricht selbst erarbeiten, nachbereiten und vorbereiten. So hatten wir jede Woche Distanzaufgaben auf und feste Abgabetermine, an denen sie fertig sein und eingeschickt werden mussten.
Diese Mischung aus Präsenz- und „Fernunterricht“ war wirklich die ideale Mischung, um neben Familie und Beruf das Abitur erreichen zu können.
Natürlich haben diese drei Jahre viel Zeit, Einsatz und Disziplin gekostet und ich bin mir sicher, dass man nur zum Ziel kommt, wenn man auch bereit ist, gewisse „Opfer“ zu bringen, aber was man im Gegenzug für Fleiß und Verzicht im Privaten bekommt, ist wirklich enorm.
Zum ersten Mal wurde mir bewusst, wie viel Spaß Schule und Lernen machen können. Den größten Teil machen hierbei die Lehrer an der Schule aus. Die sind nämlich nicht nur total gut drauf, sondern haben stets ein offenes Ohr. Lehrer, die einem auf Augenhöhe begegnen und nicht müde werden, sich immer wieder Zeit zu nehmen, Dinge, die man nicht versteht, wieder und wieder zu erklären – ohne dass man sich dabei blöd vorkommt. Ich hatte in all den drei Jahren nicht einen Lehrer, der nicht mit Spaß, Begeisterung für den Lehrerberuf und Einsatz dabei war. Hier arbeiten Menschen, die gerne mit Menschen, mögen sie noch so unterschiedlich sein, zusammenarbeiten. Auch der Klassen-, bzw. Stufenverband war toll. Man lernt hier Menschen kennen, die man so sonst wahrscheinlich nie kennengelernt hätte, und es ist großartig zu sehen, wie viel Spaß und Lacher es innerhalb der Präsenztage im Unterricht gab, einfach nur, weil die Lernatmosphäre zwar anspruchsvoll, aber gleichzeitig auch entspannt war – das hat es einem extrem erleichtert, nach einem langen Tag noch die Schulbank zu drücken.
Und was man in dieser Schulzeit alles gelernt hat, wie man sein Allgemeinwissen erweitert hat und wie man auch über sich selbst hinausgewachsen ist, ist wirklich enorm. Das gibt einem viel Selbstbewusstsein.
Drei Jahre sind lang, keine Frage (vor allem, wenn man am Anfang steht), aber wenn man erstmal gestartet ist, dann vergeht ein Semester nach dem anderen und das Abitur rückt näher und näher. Manchmal heißt es durchbeißen, durchhalten, motivieren – in anderen Phasen läuft es gefühlt wie von selbst. Und auch an dieser Schule ist es natürlich so, dass einem manche Fächer mehr liegen als andere. Geschenkt wird einem hier nichts, das ist klar, man muss sich „reinhängen“, besonders in den Fächern, die einem schwerer fallen, aber das Wichtigste ist, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
Am Ende geht es am Abendgymnasium natürlich darum, sein Abitur zu machen und für viele auch darum, ein möglichst gutes zu erreichen, um dann dies oder jenes studieren zu können, aber der Spaß an der Freude sollte unbedingt mindestens genauso im Blick behalten werden. Mit Ernsthaftigkeit bei der Sache – JA, unbedingt – mit Freude an der Sache – doppelt JA!

Was man braucht, um mit Kindern sein Abitur nachzuholen, ist neben Ehrgeiz es zu schaffen auch der familiäre Rückhalt, mit dem man die Schulzeit ein Stück weit zusammen bewältigt. Familie, die einem den Schulbesuch und die Lernzeit zuhause möglich macht, die bereit ist öfters auf einen zu verzichten, weil man doch auch einiges an Zeit für die Schule investieren muss, um am Ball zu bleiben, den Rücken freihält und stärkt und auch hin und wieder motivierende Worte für einen bereit hält.

Immer wieder würde ich mich für diesen Weg entscheiden und ich weiß, dass ich meine Elternzeit nicht hätte besser nutzen können.
Ich bin stolz auf meine Mitschüler und mich, dass wir durchgehalten und es geschafft haben. Nicht nur jeder für sich, sondern wir alle zusammen!

Ein Kommentar

  1. Echt eine super entscheidung genau dafür ist das abendgymnasium eine echt tolle einrichtung die man mit jedem mittel unterstützen sollte.

    Ich liebe das Abendgymnasium

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